Neuigkeiten und Diskussion
Auf dem Historikertag findet die nächste Mitgliederversammlung des AAG statt am Mi., 29.9. von 13.00-15.00 Uhr in Raum HS 1.601!
Dort soll über die zukünftige Arbeit des AAG diskutiert werden, deshalb ist eine möglichst umfangreiche Beteiligung wichtig.
ARCHIV
Nachruf auf Christiane Harzig
Christiane Harzig ist tot. Am 6. November 2007 starb sie in Tempe, Arizona, an Krebs, gegen den sie seit über einem Jahr kämpfte. Mit ihrem Tod verlieren die Nordamerikanische Geschichte wie auch die Migrationsgeschichte und die Genderforschung eine ihrer wichtigsten Vertreterinnen.
Christiane Harzig studierte an der Vanderbilt University und der Freien Universität Berlin. Sie promovierte 1990 an der Technischen Universität Berlin und habilitierte sich 2001 an der Universität Bremen. Sie lehrte an der FU Berlin, der Universität Bremen und der Universität Erfurt und war Gastdozentin und -forscherin an der York University in Toronto (als Preisträgerin des prestigeträchtigen John-G.-Diefenbaker-Preises), der University of British Columbia in Vancouver, der University of Winnipeg sowie der State University of New York in Buffalo. Im Januar 2006 wurde sie auf eine Professur für Migrationsgeschichte an der Arizona State University berufen.
Christiane Harzigs Forschungen lagen am Schnittpunkt zwischen der Migrations- und der Geschlechtergeschichte. Ihre Dissertation mit dem Titel Familie, Arbeit und weibliche Öffentlichkeit in einer Einwanderungsstadt: Deutschamerikanerinnen in Chicago um die Jahrhundertwende behandelte deutschamerikanische Nachbarschaften in Chicago als Arbeits- und Lebensort deutscher Migrantinnen. In ihr beleuchtete Christiane Harzig schlaglichtartig die Bedeutung des Faktors Geschlecht sowohl für die Migrantengemeinschaften selbst als auch für die sozialen Strukturen der Einwanderungsstadt und die US-amerikanische Frauenbewegung. Zusammen mit Wissenschaftlerinnen verschiedener Länder untersuchte Christiane Harzig anschließend in einem Sammelband die Migration und Akkulturation deutscher, polnischer, schwedischer und irischer Frauen in Chicago hinsichtlich des Einflusses der Faktoren Ethnizität, Kultur und Geschlecht.
In ihrer Habilitation, veröffentlicht unter dem Titel Einwanderung und Politik: Historische Erinnerung und Politische Kultur als Gestaltungsressource verglich Christiane Harzig den Weg der drei Länder Kanada, Schweden und Niederlande von Einwanderungsländern zu multikulturellen Gesellschaften. Sie analysierte die jeweiligen Erfahrungen mit Mobilität und Differenz, das kognitive Potential gesellschaftlicher Brüche, die Verwaltungs- und Kommunikationskulturen, die Nutzung intellektueller Ressourcen und das Engagement der Akteure sowie die Differenzierung nach Klasse, Race/Ethnizität und Geschlecht in den drei Ländern und verstand Schweden, Kanada und die Niederlande dabei als Vorbilder für eine deutsche Einwanderungspolitik. In zwei weiteren von Christiane Harzig mitherausgegebenen Sammelbänden zur sozialen Konstruktion und historischen Praxis der Diversität zeigte sich ihr Engagement für ein Abrücken von alten vom Nationalstaat geprägten Konzepten zu einer Anerkennung des faktisch bereits vorhandenen Trans- oder Multikulturalismus. In ihrem letzten Sammelband, Migration und Erinnerung, suchte Christiane Harzig der Erinnerung an die Migration historischen Raum zu verschaffen. In ihrem nächsten großen Projekt, zu dem sie bereits Aufsätze publizierte, wollte sich Christiane Harzig mit den globalen Migrationserfahrungen von weiblichen Hausangestellten beschäftigen. Sie steckte noch voller Pläne für spannende Forschungen, aus denen sie der Tod herausriss.
Christiane Harzig hat bahnbrechende Impulse gegeben für die Berücksichtigung des Faktors Geschlecht in der Migrationsforschung, für die Verbindung von Sozial- und Kulturgeschichte und für einen Paradigmenwechsel von erzwungener Assimilation und Nationalismus hin zur Wahrnehmung globaler und transkultureller Lebenswelten. Nicht zuletzt war sie eine prominente Vertreterin der in Deutschland sträflich vernachlässigten US-amerikanischen und insbesondere kanadischen Geschichte.
Christiane Harzig war in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften in wichtigen Positionen tätig, so im Publikationskomitee der Social Science History Association, im Beirat der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien und im Beirat der Zeitschrift Sozial.Geschichte, im Migrationsnetzwerk der European Social Science History Association, und bei den Internetprojekten der Gesellschaft für Kanadastudien.
Wir werden Christiane Harzig schmerzlich vermissen. Den Studierenden war sie eine begeisterte, begeisternde Dozentin, in wissenschaftlichen Gesellschaften engagierte sie sich überdurchschnittlich, in der Forschung hat sie herausragende Arbeit geleistet und andere ForscherInnen inspiriert, und persönlich war sie stets hilfsbereit, kollegial, freundlich und engagiert. Wir werden ihr Andenken ehren, und sie wird in ihren Studierenden und Publikationen fortleben.
Heike Bungert
| Geschichte darf keine Selbstbespiegelung sein Interview mit Birgit Schäbler in der Süddeutschen Zeitung vom 18.9.2006 mehr>> |
| Wie steht es mit der Aussereuropäischen Geschichte und
dem Ansatz der neuen Global History? Gibt es einen "common ground"? Ein panel
unter Leitung von Birgit Schäbler auf dem First European Congress of World and Global History am 22.09.2005-25.09.2005, Leipzig http://geschichte-transnational.clio-online.net/tagungsberichte/id=992 |
| Kann die neue "global history" ein Ersatz für "aussereuropäische Geschichte" sein? Eine pointierte Kritik. http://geschichte-transnational.clio-online.net/forum/id=572&type=artikel |
| heureka! - Die Entdeckten waren zuerst da Eine Geschichtsschreibung, die Europa nicht für den Nabel der Welt hält, sollte heute eine Selbstverständlichkeit sein. Leichter gesagt als getan. Zum Problem werden nationale Scheuklappen, die Standortgebundenheit des Historikers, die Quellenarmut schriftloser Kulturen und die Erwartungen der europäischen Leser. Ein Hindernislauf. Interviews mit Aussereuropa-Historikern und Historikerinnen, u.a. zum Begriff "aussereuropäische Geschichte" selbst. http://www.falter.at/heureka/archiv/02_3/07.php?SESSID=70fe4b7cf523bb6daa86ddfe6327f797 |
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Gefangen in der Alten Welt Die deutsche Geschichtswissenschaft ist hoffnungslos provinziell: Themen jenseits der europäischen Grenzen interessieren die Historiker kaum. Eine Polemik nach dem Historikertag 2002 in Halle. Die Zeit, 26.09.2002 http://www.historikertag2002.uni-halle.de/artikel/p_71.shtml |