Tagungen
Tagungsankündigungen
Ethnizität, Citizenship und Belonging in Lateinamerika
Internationale Tagung vom 04.-08.10.2010 in Bonn
Veranstalter: Kompetenznetz Lateinamerika Ethnicity, Citizenship und Belonging
Veranstaltungsort: Interdisziplinäres Lateinamerikazentrum (ILZ) im Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Die Tagung widmet sich der Untersuchung von Inklusions- und Exklusions-Phänomenen in Lateinamerika. Insbesondere setzt sie sich zum Ziel die Konzepte "Ethnicity", "Citizenship" und "Belonging" aus einer inter- und transdisziplinären Perspektive zu diskutieren. Neben theoretischen Vorträgen und Debatten sollen Fallstudien vorgestellt und in Workshops ein gemeinsames Begriffsinstrumentarium entwickelt werden. Im Fokus steht dabei auch die Anwendbarkeit der Konzepte in der wissenschaftlichen und politischen Praxis in transregionalen Kontexten. Die Tagung richtet sich an Historiker, Ethnologen, Soziologen, Literatur-, Kultur- und Politikwissenschaftler die sich in-, aber auch außerhalb der Region Lateinamerika mit den genannten Schlüsselbegriffen beschäftigen. Sie ist offen sowohl für etablierte als auch für Nachwuchswissenschaftler und lädt insbesondere lateinamerikanische Wissenschaftler zur Teilnahme ein.
Weitere Informationen werden in Kürze bekannt gegeben.
English:
Ethnicity, Citizenship and Belonging in Latin America
International Conference, 4th-8th of October 2010, Bonn
Organizer: Competence-Net Ethnicity, Citizenship and Belonging
Place: Interdisciplinary Latin America Center (ILZ) at the Center for Development Research (ZEF) of the University of Bonn
The conference is dedicated to the study of phenomena of inclusion and exclusion in Latin America. In particular it aims at discussing the concepts ethnicity, citizenship and belonging from a trans- and interdisciplinary perspective. Apart from theoretical lectures and debates there shall be a presentation of case studies. In workshops there shall be developed a common understanding and equipment of terms. There will be a focus on the applicability of the concepts in the scientific and political praxis in transregional contexts. The conference is open for historians, social anthropologists, sociologists, scholars of literature and culture and political scientists who investigate the mentioned key terms in but also outside Latin America. It invites established as well as young scholars and especially extends an invitation to Latin-American academics.
Further information will be announced soon.
Español:
Etnicidad, Ciudadanía y Pertenencia en América Latina
Congreso internacional del 4 al 8 de ocubre del 2010 en Bonn
Coordinador: Red de competencias Etnicidad, Ciudadanía y Pertenencia
Lugar: Centro Interdisciplinario de Estudios Latinoamericanos (ILZ) en el Centro para Investigación del Desarrollo (ZEF) de la Universidad de Bonn
El congreso está dedicado a la investigación de fenómenos de inclusión y exclusión en América Latina. Tiene como meta particular la discusión inter- y transdisciplinaria de los conceptos etnicidad, ciudadanía y pertenencia. Aparte de ponencias y debates teóricos está planeado presentar estudios de caso y desarrollar en sesiones de trabajo un instrumental de términos conjunto. También se enfoca la practicabilidad de los conceptos en la práctica científica y política en un contexto transregional. El congreso está abierto para historiadores, antropologos, sociologos, científicos de la literatura y cultura y politologos que investigan los mencionados términos clave dentro pero también fuera de la región América Latina. Invita tanto científicos establecidos como jóvenes y extiende una invitación especial a investigadores de América Latina.
En breve se darán a conocer más detalles.
Portugués:
Ethnicidade, Cidadania e Pertenimento em América Latina
Congresso internacional do 4 ao 8 de outubro em Bonn
Organizador: Rede de Competência Etnicidade, Cidadania e Pertença
Lugar: Centro Interdisciplinario de Estudos Latino-americanos (ILZ) no Centro de Investigação do Desenvolvimento (ZEF) da Universidade de Bonn
O congresso dedica-se à investigação de fenómenos de inclusão e exclusão na América Latina. Tem como fim a discusão inter- e transdisciplinaria dos conceitos etnicidade, cidadania e pertença. Além de conferências e debates teóricas planeam-se presentações de estudos de caso e desenvolver um instrumental de conceitos conjunto. Também foca-se na aplicabilidade dos conceitos na pesquisa científica e política num contexto transregional. O congresso está aberto a historiadores, antropólogos, sociólogos, pesquisadores literários e de cultura e politólogos que investigam os conceitos chave mencionados dentro mas também fora da região da América Latina. Convida tanto pesquisadores establecidos como jóvens e estende um convite especial a investigadores da América Latina.
Em breve sera dada a conhecer informação mais detalhada.
Tagungsberichte
Tagungsbericht zur AAG-Tagung "Migration und Diaspora" vom 27.9.-29.9. in Münster
Migration und Diaspora stellen zwei Kernbegriffe innerhalb der
Erforschung von Wanderungsbewegungen dar. Dabei wird aber oftmals nicht
klar, welchen spezifischen Erkenntnisgewinn die Nutzung dieser beiden
Konzepte erzielen kann. Diese Frage wurde auf der Fachtagung des
Arbeitskreises Außereuropäische Geschichte (AAG) diskutiert, welche vom
27.-29.9.2007 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
stattfand. Die Tagung wurde von Prof. Dr. Silke Hensel, der derzeitigen
Vorsitzenden des AAG, organisiert und seitens der Gerda-Henkel-Stiftung
unterstützt. Der AAG hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Austausch
zwischen allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die zur
außereuropäischen Geschichte arbeiten, zu fördern und eine Verknüpfung
zwischen Area Studies und Globalgeschichte zu betreiben. Dabei bietet
gerade die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Wanderungsbewegungen
eine wichtige Ausgangsbasis für eine Beschäftigung mit weltweit
auftretenden und aktuell relevanten gesellschaftlichen Phänomenen. Ziel
der Tagung war es nicht nur, einen Raum für historische Reflektionen
gegenwärtiger Entwicklungen zu bieten, sondern unter Aufgabe rein
regionalspezifischer Sichtweisen die analytischen Konzepte Migration und
Diaspora zu schärfen.
Das erste inhaltliche Panel diente der Auseinandersetzung mit dem
Konzept der Diaspora als Gemeinschaft jenseits des Nationalstaats.
Insgesamt zeigte sich ein doch sehr heterogenes Verständnis dieses
Konzeptes. In dem ersten Vortrag nannte MIHRAN DABAG (Bochum) drei
grundlegende Merkmale der Diaspora: ihr Ursprung in gewaltsamen Akten
der Vertreibung, das ihren Mitgliedern als gemeinschaftsprägend
innewohnende Spannungsverhältnis zu ihrem Lebensumfeld sowie der
Rückbezug auf eine verlorene Heimat. Anhand der Entwicklung der
armenischen Diaspora zeigte er einerseits die feste Einbettung der
armenischen Gemeinschaften in das Leben des jeweiligen Gastlandes bei
einer andererseits jeweils neuen Umgestaltung einer spezifischen
kollektiven Identität und translokalen Vernetzung ihrer Mitglieder.
Entgegen einem festgefügten Diasporabegriff betonte KLAUS HÖDL (Graz)
die nur punktuelle Geltung dieses Konzeptes, welches in seiner
Anwendbarkeit auf konkrete Gruppen fortwährend überprüft werden müsse.
Dies machte er am Beispiel der Wiener Juden des 19. Jahrhunderts
deutlich. Während Juden allgemeinhin als typische Diasporagemeinschaft
gelten, zeigte Hödl, wie das Selbstverständnis und aktive Handeln der
Wiener Juden durch die Zugehörigkeit zu der österreichischen Nation und
ihre Verankerung in der lokalen Geschichte geprägt war. Diese Gruppe
könne insofern als eine performative Gemeinschaft aufgefasst werden. Am
Beispiel der Historiographie zur afrikanischen Geschichte führte ANDREAS
ECKERT (Berlin) die Bedeutung des Diasporabegriffs für die Area Studies
aus. Dabei merkte er an, dass bei der Erforschung der afrikanischen
Diaspora allerdings lange Zeit der Kontinent Afrika eine geringe
Beachtung fand. Eine Betrachtung kultureller Gemeinschaften sollte
demgegenüber jenseits von festen räumlichen Strukturen erfolgen. In der
anschließenden Diskussion wurde im Zusammenhang mit gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen für performative Aushandlungsprozesse auf die
Bedeutung von staatlich geschaffenen administrativen Kategorien
hingewiesen. Übereinkommend wurde festgestellt, dass eine Unterscheidung
zwischen Diaspora als Akteurskategorie und als analytisches Konzept
getroffen werden müsse.
Den zweiten thematischen Block bildete die keynote von CHRISTIANE HARZIG
(Tempe/USA), die aufgrund von Abwesenheit durch Silke Hensel verlesen
wurde. In dem Vortrag zeigte die Verfasserin die Bedeutung der
analytischen Kategorie ^ÄGeschlecht^Ó für die Migrationsforschung auf. Sie
plädierte angesichts des in der Forschungspraxis immer noch geringen
Wissens über Frauen in Migrationsprozesse sowie der quantitativen
Bedeutung von Migrantinnen dafür, geschlechterspezifische Analysen
vorzunehmen sowie die Auswirkungen von Migrationssystemen und
^Ösituationen speziell auf Frauen in den Blick zu nehmen. Dabei sei es
zudem wichtig, die Kategorie des Geschlechts in Relation zu
^Ärace^Ó/Ethnizität und Klasse zu setzen. In einem kurzen Überblick über
die innerhalb der Migrationsforschung gängigen Theorien machte Harzig
deutlich, welch einen geringen Stellenwert geschlechtsspezifische
Aspekte in vielen dieser Erklärungsmuster einnehmen. Daher regte sie,
ausgehend von Bourdieus Theorie des sozialen Kapitals, eine Fokussierung
auf den Haushalt als sich verändernde Einheit sowie auf die Wirkung und
Gestaltung von Netzwerken in Migrationsprozessen an. Gleichzeitig wies
Harzig auf die Bedeutung von historischen Rahmenbedingungen und
politischen Entscheidungen für die Ausgestaltung von Migrationssystemen
hin. Abschließend zeigte die Verfasserin mit der Problematisierung von
ausgelagerter Reproduktionsarbeit, transnationalen Haushalten und
transnationaler Mutterschaft der Migrantinnen sowie Migration in die
Sexarbeit aktuelle Themenfelder auf, die nicht nur Anregungen zu
weiteren Forschungen, sondern auch für die politische Auseinandersetzung
mit den Ursachen dieser Phänomene geben können.
In einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung wurde am Ende des ersten
Tages die in Kürze erscheinende ^ÄEnzyklopädie der Migration^Ó von den
beiden Mitherausgebern PIETER EMMER (Leiden/NL) und JOCHEN OLTMER
(Osnabrück) vorgestellt. Ziel der Publikation ist es, anhand einer
möglichst differenzierten Beschreibung ausgewählter Fälle exemplarisch
die verschiedenen Formen von Wanderungsbewegungen innerhalb von und nach
Europa zu dokumentieren. Trotz einiger Kritikpunkt an der Konzeption
wurde das Buch als wichtiger Beitrag zur europäischen
Migrationsforschung gewertet.
Das erste Panel des zweiten Tages befasste sich mit Diasporen als Orte
des Kulturtransfers und Kulturkonflikts. Anhand von Reiseberichten
deutschsprachiger Angestellter der niederländischen Ost-Indien-Kompanie
analysierte ANTJE FLÜCHTER (Münster) verschiedene Formen der Interaktion
zwischen den europäischen Indienfahrern und den lokal präsenten Gruppen
in der Stadt Surat. Dabei stellte sich heraus, dass die Spielregeln
dieser Interaktionen nicht von der europäischen Seite bestimmt wurden
und zwar vielfältige Interaktionen zu verzeichnen waren, die Europäer
aber eine Diasporagruppe blieben. Demgegenüber konnte MARGRET FRENZ
(Essen) mit ihren Forschungen zu den goanischen Migrationsbewegungen
zunächst nach Ostafrika und der Zweitmigration nach Kanada keine
Diasporabildung ausmachen. Auf der Basis von Interviews mit goanischen
Migranten stellte sie für die erste Migration vor allem nach Sansibar
einen steten Austausch der Migranten mit Goa fest, so dass diese erste
Stufe als eine Ausdehnung des Herkunftsortes zu beschreiben ist. Nach
der Vertreibung aus Sansibar und Ansiedlung in Kanada hingegen
integrierten sich die goanischen Migranten schnell, was u.a. von ihrer
Religionszugehörigkeit sowie dem Bildungssystem des Aufnahmelandes
begünstigt wurde. In seinem Beitrag zu Migrationsformen im maritimen
Südostasien in der Phase der frühkolonialen Expansion stellte JÜRGEN
NAGEL (Hagen) die Dichotomie der Typisierung von ^ÄGast^Ó und ^ÄGastgeber^Ó
innerhalb des Diasporakonzeptes in Frage. So sei die Ausbildung von
Diasporastrukturen in hohem Maße von kolonialen Interessen bestimmt
gewesen; die Bedeutung der Kolonialmächte ließe insofern eine präzise
Definition der ^ÄAufnahmegesellschaft^Ó nur schwer zu. Diskutiert wurde im
Anschluss abermals die Tragfähigkeit des Diasporabegriffs und die
Möglichkeit eines Ersatz durch den Begriff der ^Äcommunity^Ó. Die
Problematik dieses Begriffs wurde aber allgemein in seinen sehr
unterschiedlichen Konnotationen gesehen; zudem handele es sich hierbei
in zunehmenden Maße um eine administrative Kategorie zur Durchsetzung
politischer Interessen.
Mit dem Fallbeispiel der Gründergeneration der afrokubanischen
Gemeinschaft in Santiago de Cuba wurde das zweite Panel zu der
afrikanischen Diaspora in den Amerikas eingeleitet. In seinem Vortrag
stellte JOCHEN KEMNER (Bielefeld) die Frage nach Erfolg oder Niederlagen
der afrikanischen Zwangsmigranten in Kuba. Aufgrund der bearbeiteten
Quellen (Notariatsprotokolle) musste die Beurteilung für den Erfolg auf
externe Kriterien beschränkt werden; diese fällt aber laut Kemner
positiv aus. In einem literaturwissenschaftlich geprägten Zugriff
beleuchtete FRANK SCHEERER (Berlin) die afrokaribische Diaspora Jamaikas
unter Berücksichtigung von messianistischen Elementen und
Repatriierungsgedanken innerhalb der jamaikanischen Populärkultur. Dabei
stellte er besonders die starke Präsenz Afrikas und vor allem Äthiopiens
als symbolischen Referenzort der Rastafari heraus. Während in Kemners
Beitrag also weniger auf die Verbindung der Diasporagemeinschaft zu dem
Herkunftsort Afrika eingegangen wurde, stellte dieses Element einen
wesentlichen Faktor innerhalb des zweiten Beitrags dar. Insgesamt wurde
so die Vielfalt nicht nur der Diasporagemeinschaften sondern auch ihrer
Erforschung bekräftigt.
Die letzte thematische Einheit des zweiten Tags war der Vermittlung von
Globalgeschichte im Schulunterricht anhand von Migration und Diaspora
gewidmet. Einleitend stellte SUSANNE POPP (Augsburg) in einem breit
gefächerten Impulsreferat das derzeitige Curriculum des Fachs Geschichte
dar und wertete dieses als Produkt des Nationalstaates. Trotz der
multikulturellen Zusammensetzung der Klassen und der Einflüssen der
Globalisierung auf das Alltagsleben der Schüler stelle der
Geschichtsunterricht Deutschland immer noch als ein nach außen
abgegrenzten Organismus dar, dessen Verbindungsnetze nicht ausreichend
explizit gemacht werden. Exemplarisch für die Möglichkeiten einer
Vermittlung von transnationaler Geschichte im Rahmen des gängigen
Lehrplans stellte DENNIS RÖDER (Augsburg) das Projekt ^ÄKommunizieren in
die Ferne^Ó dar, welches anhand des Themenkreises Fern- und
Telekommunikation Anschlussmöglichkeiten für einen weltgeschichtlich
akzentuierten Geschichtsunterricht bietet. In Form eines an Lehrer
gerichteten Internetportals stellt das Projekt u.a. Quellenmaterial zur
Verfügung und will damit einerseits die punktuelle Einbeziehung
außereuropäischer Beispiele erleichtern und andererseits mit der
Fokussierung auf verschiedene Kommunikationskanäle sowie auf Akteure als
Wissensvermittler neue Herangehensweisen an Quellen ermöglichen.
In der Diskussion wurde auf eine im Prinzip erforderliche generelle
Überarbeitung von Lehrplänen und Geschichtsbüchern hingewiesen; so müsse
Migration als Normalfall der Geschichte angesehen und entsprechend in
den Geschichtsunterricht einbezogen werden. Aus pragmatischer Sicht
allerdings ist zunächst eine stärkere Vernetzung zwischen
Fachhistorikern, Didaktikern und Schulen wünschenswert. Das durchaus
vorhandene Interesse von Lehrern sollte durch das Bereitstellen von
didaktischen Materialien aufgenommen werden. In diesem Zusammenhang
wurde auf die Internetseite des AAG (www.aussereuropa.de) verwiesen, auf
der nun eine Rubrik zur Didaktik zu finden ist. Auch das Jahrbuch für
außereuropäische Geschichte Periplus (www.periplus-jahrbuch.de) hat
inzwischen eine eigene Didaktiksektion eingerichtet.
Der dritte Konferenztag stand im Zeichen der Beschäftigung mit
Identitätsbildung vor dem Hintergrund verschiedener Migrationskontexte.
SANDRA CARRERAS (Berlin) stellte die Frage der Identitätskonstruktionen
von deutschen Migranten in Argentinien anhand der von deutschen
Sozialisten gegründeten Zeitung ^ÄVorwärts^Ó. Dabei konnte sie die sich
ständig verändernden Positionierungen der Herausgeber der Zeitung
zwischen einer Identität als deutsche Sozialisten und einerseits einer
Abwertung der argentinischen Kultur sowie Konstruktion eines
Überlegenheitsgefühls als Deutsche und andererseits einer stärkeren
Identifikation mit den argentinischen Sozialisten aufzeigen. Insofern
trug der ^ÄVorwärts^Ó nicht zu einer Etablierung einer klar umrissenen
homogenen Migrantenidentität bei. In dem folgenden Vortrag ging CHRISTIN
PSCHICHHOLZ (Kiel) vor allem auf die kirchlichen und staatlichen
Interessen in Bezug auf die Identitätsbildung der deutschen Migranten in
Istanbul ein. So versuchte die preußische Landeskirche im Rahmen der
Gründung von Auslandsgemeinden, durch die kulturelle und sprachliche
Rückbindung an Deutschland eine Nationalisierung des Kirchenlebens
durchzusetzen. Im Gegensatz dazu zeigte sich an der deutschen
protestantischen Gemeinde Istanbuls ein breites Repertoire an Kontakten
mit der multikulturellen und multikonfessionellen Gesellschaft vor Ort,
die letztlich nicht zu einer Abschottung der Migrantengemeinschaft
führten. Ein stärker gegenwartsbezogener Ansatz wurde von NEVIM ÇIL
(Berlin) in ihrer Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von türkischen
Migranten zum wiedervereinigten Deutschland verfolgt. Dabei betonte sie
die Bedeutung einer Unterscheidung der türkischen Migranten in
verschiedene Generationen und untersuchte auf der Basis von Interviews
die Positionierungen der jeweiligen Generationen vor dem Hintergrund der
staatlichen Politik und gesellschaftlichen Verhältnisse von den 1960er
Jahren bis heute. So stellten die Wiedervereinigung sowie die
Brandanschläge der frühen 1990er Jahren eine einschneidende Zäsur für
den Umgang der Generationen mit dem Spannungsverhältnis zwischen Ankunft
und Rückkehrgedanken dar.
Das letzte Panel wurde durch den Vortrag von HEIKE BUNGERT (Köln)
eröffnet, welche die Funktion von gesellschaftlichen Festen für die
Ausbildung einer transnationalen Identität sowie eines transnationalen
kulturellen Gedächtnisses der deutschamerikanischen Migranten in den USA
von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des 1.
Weltkrieges. Wesentlich für die Schaffung einer spezifischen Identität
als Deutschamerikaner waren die Ausbildung einer transnationalen
deutschamerikanischen Symbolik, das Feiern von spezifisch
deutschamerikanischen Jahrestagen sowie die gegenseitigen Besuche von
Festen deutschamerikanischer und reichsdeutscher Vereine. Diese Reisen
trugen zur Konstruktion eines transnationalen Raumes bei. Mit der
Kategorie des transnationalen Raums beschäftigte sich auch MAREN MÖHRING
(Köln) in ihrem Beitrag zu den Folgen der Umstrukturierung von
städtischen Räumen durch Migration. Diese beinhaltete nicht nur die
Niederlassung von Migranten in vormals verlassenen Stadtteilen sondern
auch die Ausformung einer ethnischen Ökonomie. Am Beispiel von
Konflikten um ausländische Gastronomiebetriebe stellte Möhring die
konkurrierenden Vorstellungen von Migranten und Nichtmigranten über den
Umgang mit dem öffentlichen Raum dar und zeigte somit die signifikante
Auswirkung von Migration auf das Raumverständnis im Zielland.
Die Abschlussdiskussion kreiste im Wesentlichen um die beiden Begriffe
der Diaspora sowie der Identität. Diaspora wurde dabei im Zusammenhang
mit Nation diskutiert; am Beispiel der heutigen Hindu-Diaspora zeigt
sich, dass die Erfindung einer exkludierenden nationalen Identität
gerade auch aus der Diaspora heraus stattfinden kann. Darüber hinaus
wurde abermals thematisiert, inwieweit die translokale Vernetzung der
Gemeinschaft untereinander als Kriterium zur Definition von Diaspora
gelten kann. Insgesamt wurde deutlich, dass die Zugehörigkeit zu einer
Gemeinschaft stark kontextuell gebunden ist. Insofern sind auch
Identitäten nur situationsabhängig zu bestimmen, wobei ein Konsens
darüber bestand, dass neben dem Element der Selbstverortung die
Fremdzuschreibungen sowie die Interaktionen mit dem Umfeld nicht
vernachlässigt werden dürfen. Für weiterführende Diskussionen wurde eine
stärkere Auseinandersetzung mit dem Konzept des Kosmopolitismus sowie
der situativen Ethnizität angeregt.
Bericht von: Ulrike Bock (Münster) und Katrin Dircksen (Münster)
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Call for Papers
"Upon the hills?" Cities and the Anti-Urban Impetus in American History.
30th Annual Conference of the Historians in the German Association for American
Studies (DGfA),
February 8.10, 2008, Leucorea Foundation, Lutherstadt Wittenberg
The conference "Cities and the anti-urban impetus in American history" will investigate
the emergence and dynamic transformation of urban environments in recent U.S.-American
history. As sites for commerce and cultural innovation, or as focal points for immigration
and industrial production, urban development has been pivotal for the political,
social, cultural and economic fabric of the nation. Contending with persistent founding
myths of an agrarian society and the manifestations of sub- and ex-urban "crabgrass
frontiers", the landscape of contemporary America has been marked by the surge of
urbanisation and urbanity.
This conference aims to take stock of a flourishing scholarship on urbanisation in
America. In recent years "urban biographies", analyses of geographic and social mobility
have been supplanted by cultural, gender and environmental urban histories. Contemporary
historiography critically reflects upon the reputation of cities as hubs of innovation, of
enormous diversity, of unrepentant capitalism, of permanent change and acceleration.
often questioning their presumption as "laboratories of modernity." If American cities, in
turn, are interpreted as critical products of (neo)liberal capitalism, our understanding
their evolution, inner dynamics, contradictions as well as their intense exchange with both
hinterland and other, competing urban centers, may help elucidate what is widely interpreted
to be a worldwide "urban age" in the making.
Session and workshop structure: The conference will be set up as a mix of lectures and
workshops. Poster presentations will allow junior scholars to discuss current work outside
"historical urban studies". Besides, a special event will mark the 30th Anniversary of the
DGfA Historians' Conferences. Three to four separate workshop sessions are being
planned. We invite papers seeking to explore some of the following issues:
Cities in "longue duree": distinct phases and types of urban development; colonial
towns, pioneer cities, the national capital, urbanisation/industrialisation:
railroad town, company towns, suburbia, ex-urbia . . .
Cities as evolving networks of infrastructure: built environment, public works,
urban underground, networks of circulation and mass mobility, museums,
shopping centers, stations . . .
Cities and the transformation of contested spaces: labor, race, gender: urban
governance, U.S. planning tradition, public services; migration/integration and
ethnic strife, social divisions, housing and labor market . . .
Cities as milieus of innovation: artistic and intellectual production, mass culture,
nightlife, creative industries, post-Fordist urban restructuring . . .
Cities as "strategic sites": public space; inter-urban competition and connections,
visions and utopias, world fairs, representation in film and media . . .
Deadline for Abstracts: 17 October 2007
Submission deadline (Papers and Poster Presentations): 25 January 2008
The call aims at Ph.D. candidates and post-doctoral scholars from various disciplinary
backgrounds who have been working on topics in the field of historical urban studies.
Applicants are asked to submit proposals (extended abstracts of 300 words). Comparative
foci, interdisciplinary approaches, and co-authored papers are encouraged. Principal
conference language is English. Papers may be submitted to external review.
In addition, Ph.D. candidates and junior scholars in history will be invited to discuss
poster presentations of current work not related to the conference theme. Sample
poster files are available upon request.
Final paper versions are expected two weeks before the conference. They will be
circulated among presenters, session chairs and discussants. Presentations at the conference
will be brief, summarizing the core findings and hypotheses of the paper.
Contact:
Oliver Schmidt, Ph.D.
Executive Director, Center for Metropolitan Studies (CMS), Berlin,
and
Transatlantisches Graduiertenkolleg Berlin.New York 2005.2010
Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin
Fon +49 (0)30.314 28410 | Fax +49 (0)30.314 28403
E-Mail: oliver.schmidt@metropolitanstudies.de
http://www.metropolitanstudies.de
Prof. Dr. Hans-Jurgen Grabbe
Director, Center fur United States Studies . Zentrum fur USA-Studien (ZUSAS)
Martin Luther University Halle-Wittenberg
06099 Halle (Saale)
Fon +49 (0)345.552 3520 or +49 (0)3491.466 109 | Fax +49 (0)345.552 7272
E-Mail: grabbe@zusas.uni-halle.de
http://www.zusas.uni-halle.de | http://www.us-studies.de
Conference Location:
Stiftung Leucorea, Collegienstra©¬e 62
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel.: +49. 3491. 46 6-100
Fax: +49. 3491. 46 6-222
E-Mail: grabbe@leucorea.uni-halle.de
http://www.leucorea.de
The conference is organized by the DGfA in cooperation with ZUSAS, the Center for Metropolitan
Studies (CMS), Berlin, and the U.S. Embassy.
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AHILA - Asociación de Historiadores Latinoamericanistas Europeos
Die nächste Tagung der AHILA findet vom 26.-28. August 2008 in Leiden statt unter dem Motto:
1808-2008:
Crisis y Problemas en el mundo atlántico
Weitere Informationen dazu unter:
http://www.leiden.edu/ahila2008/index.php3?m=1&c=3&garb=0.935008921015034&session=